Turnfahrt 100 Jahre TVR in Barcelona

Endlich war es soweit! Die Organisatoren hatten nichts unversucht gelassen, die Vorfreude auf die 100 -Jahr- Auslandsturnfahrt nach Barcelona extra gross werden zu lassen und verschoben diese extra um ein Jahr (ok, Corona hatte auch ein wenig die Hände im Spiel). Um die kurzen 4 Tage richtig auskosten zu können, gab es schon bei der Anreise die erste Herausforderung - Treffpunkt 0530 am Flughafen Zürich. Nette Partner:innen, frühe Züge, Mamis oder Kollegen - irgendwie schafften es alle rechtzeitig zum Flughafen.

Mit dem Covid-Zertifikat im Handgepäck, einem Zwischenstopp für Kaffee und Gipfeli, erster Appenzeller-Shot und erfolgreichem Einkauf im Duty-Free (einige liessen sich wohl mehr von der Verkäuferin als dem Alkohol beeinflussen), schafften es alle bis zum Flugzeug. Leider nur bis zum und nicht ins Flugzeug. Wegen plötzlich auftretenden Magenschmerzen wurde vom Kapitän Janik der Flug verweigert und so startete das Flugzeug mit etwas Verspätung und einer Person weniger - kein Problem, die Organisatoren hatten mit einem Verlust von 10% gerechnet - Richtung Barcelona. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt und einer diagnostizierten Magenschleimhautentzündung geht es jetzt auch Janik wieder besser.

Irgendwie schafften es alle - einige ältere mit etwas grösseren Problemen - nach der Landung mit (oder ohne) dem Einreise-QR-Code durch die Kontrolle und fast nahtlos rein in unseren persönlichen, mit Ledersitzen ausstaffierten Luxuscar. Während der Fahrt ins Stadtzentrum wurden die letzten (oder auch ersten) Informationen mitgeteilt und die Gruppeneinteilung für die Ämtli - Morgenessen, Abwaschen, Auftischen, Einkaufen, Kochen und Joker - bekannt gegeben.

Nach einem kurzen Freigang-Bier, einem kleinen Mittagessen, einem Marktbesuch inkl. dem Kauf eines der berühmten Schweinebeine - stand die Besichtigung der Kathedrale auf dem Programm. Nachdem das kleine Missverständnis über den ‘own’ Führer beigelegt wurde, durfte jeder selber die über 500 Jahre alte, imposante Kirche besichtigen, inkl. der tollen Aussicht über ganz Barcelona auf dem Dach.

               

Die Zeit bis zum nächsten Programmpunkt wurde für ein zweites Mittagessen genutzt und in weiser Voraussicht vom Kochteam zum Kauf von brauchbaren Küchenmessern. 

Eingedeckt mit genügend Flüssigem wurde ein klassischer, roter, doppelstöckiger Stadtrundfahrtbus bestiegen und es sich im oberen Stock gemütlich gemacht. Auf bequemste und schnellste Weise wurden uns so die wichtigsten und berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Barcelona vor Augen geführt, bis sich die zuvor eingenommene Flüssigkeit langsam aber sicher einen Stock tiefer bemerkbar machte. Da sich die Männer nicht so einfach wie die Frauen(!) in einem offenen Bus ohne WC erleichtern können, wurde kurzerhand ein kleiner Zwischenstopp eingelegt und die Vorgärten von Barcelona richtig bewässert. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir die genauso berühmte wie beeindruckende Sagrada Familia, wo ein spontaner und ausgiebiger Apero eingenommen wurde.

Mit dem Stadtrundfahrtbus ging es dann weiter bis zum Restaurant, in dem wir ein superfeines Nachtessen geniessen durften.

Unser Luxuscar holte uns ab und fuhr ca. eine Stunde bis in unsere Unterkunft. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fanden wir dann auch endlich den richtigen Eingang in unsere bescheidene Unterkunft für die nächsten drei Tage. Da es abends um 11 Uhr war, konnten die gesamten Ausmasse unserer privaten Residenz erst am nächsten Tag erfasst werden - wobei es wohl niemand geschafft hat, wirklich alles zu sehen, da reichten die drei Tage einfach nicht. Zweierzimmer, einige so gross wie eine ganze Wohnung, Bäder, Küchen, Cheminéeräume, Billiard- und Ping-Pong-Tisch, riesige Terrassen, Garten, Rasen, Schwimmbecken mit drei Meter Sprungturm, Fussballfeld, Basketballfeld, und und und… Nachdem die Zimmer bezogen wurden, musste natürlich zuerst der Pool ausprobiert werden und danach konnte man den Abend ausklingen* lassen.

           

Auf das Morgenessen um 9 Uhr schaffte es sogar fast die ganze Gruppe. Das Einkaufsteam hatte am Tag zuvor ganze Arbeit geleistet: Kefir als Milch und Rüeblisaft als Morgengetränk! Zuerst ein kleines Klavierkonzert von Kim und dann einen grossen Kampf gegen das Eingangstor, danach gings Richtung Strand. Rugby, Volleyball, Beachball, bädele, sünnele, Caipi, Sangria - alles was das Herz begehrte. Nur die Essenszeiten der Spanier hatten wir nicht so im Griff.

           

Mangels offener Küche schloss sich das Kochteam unter der eisernen Führung unseres Präsidenten dem Einkaufsteam an, pilgerte zurück zur Villa und zauberte innert kürzester Zeit für die gesamte Truppe eine sensationelle Auswahl himmlischer Tapas auf den Tisch. An dieser Stelle sei noch speziell das Abwaschteam erwähnt, welches sicher die schwerste Aufgabe hatte und jeweils innerhalb kürzester Zeit die Küche wieder perfekt auf Vordermann gebracht hatte.

Als nächstes wurde die Truppe in vier Gruppen eingeteilt und jeder musste jene Utensilien, welche von der Schweiz mitgenommen werden mussten, bereithalten und so ging es in den zähen Gruppenwettkampf. Die abwechslungsreichen und originellen Spiele boten auch den entsprechenden Unterhaltungswert, sei es beim Tennisball werfen im Pool, einer kräfteraubenden Stafette an Land, einem Fussball- oder Basketballspiel, einer Schwimmstafette inkl. vollständiger Skiausrüstung oder dem Lösen von Rechenaufgaben und entsprechenden Ergebnis auf PingPong- Bällen im Pool suchen, für jeden hatte es etwas dabei.

           

Die Regeln waren einfach: bekam man ein Tor oder Korb durfte/musste man sich mit einem Appenzeller wieder aufbauen. Aktionen, welche dem Unparteiischen nicht passten, wurden mit einem Bier belohnt und man durfte erst wieder weiterspielen, wenn dieses auch wirklich leer getrunken wurde. Da die Siegergruppe eigentlich schon zu Beginn feststand, musste der (Un)parteiische entsprechend mit allen Mitteln und haarsträubenden Entscheiden die davon eilende Gruppe zurückbinden und so verwunderte es auch nicht, dass wie aus dem nichts eine Rangliste auftauchte ohne irgendwelche offizielle Punktevergabe. Beim Basketball näherten wir uns der 10% Verlustmarke etwas mehr. Unbedrängt machte plötzlich der Fuss unseres Präsidenten nicht mehr mit und beendete somit dieses wilde und intensive Spiel. Böse Zungen behaupten, dass die mangelnde Vorbereitung in der Halle in den letzten Wochen und Monaten seinen Teil dazu beigetragen hatte. Sehr praktisch, dass wir unsere Einkäufe mit einem Einkaufswagen den Berg zur Villa hinauf gestossen haben, und so wurde dieser in einen praktischen Rollstuhl umgewandelt. Sobald die Tränen getrocknet waren, dirigierte der Präsi wiederum das Küchen- und Grill-Team meisterhaft in der Küche herum, sodass zum Nachtessen eine zauberhafte Paella entstand, die auch entsprechend genussvoll verschlungen wurde. Nach der ‘Siegerehrung’ und der fleischlichen Belohnung konnte man den Abend noch ausklingen* lassen.

Nach dem Morgenessen um dieselbe Zeit, mit etwas besserem Saft und sogar richtiger Milch, hiess es wieder Badesachen einpacken, etwas Proviant organisieren und sich Richtung Hafen zu begeben. Dort wartete ein edler, grosser Katamaran auf uns, vorbereitet mit standesgemässen Essen und Trinken und führte uns in einer 4-stündigen Tour dem Strand entlang zu einem Badeplatz, wo man unzählige an Bord befindliche Spielsachen ausprobieren konnte. Das Highlight war sicher ein Handmotor, welcher einem durch oder unters Wasser zog. In der restlichen Zeit konnte man den etwas verpassten Schlaf nachholen oder einfach die Sonne geniessen.

           

Auf dem Rückweg gab es noch einen kleinen Zwischenstopp an der Strandbar bei Caipi und Fussballspiel, kurzes duschen und auffrischen (jedenfalls für die einen) und dann zurück zum Hafen in ein feines Resti, welches die Vorbestellungen nicht so wirklich im Griff hatte, aber trotzdem, falls man dann mal das Essen bekommen hatte, auch wirklich sehr fein war. Nach einem Abstecher in eine Freiluftbar mit entsprechender Unterhaltung gings zurück in unsere Villa und dort konnte man wiederum unseren letzten Abend ausklingen* lassen.

Am letzten Tag hiess es nach dem etwas späteren Morgenessen eigentlich nur noch aufräumen, packen, der Vermieterin die Schäden beichten, schlafend im Luxuscar der Weg zum Flughafen hinter sich bringen, die ‘Reste’ einem Obdachlosen überlassen, ins Flugzeug rein und ab nach Zürich. Da dies alles ohne grössere Zwischenfälle erledigt wurde, blieben wir sogar unter der prognostizierten Verlustrate.

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen: es war einmalig, einzigartig, unvergesslich, unbeschreiblich. Vielen herzlichen Dank an all die Organisatoren für den riesigen und grossartigen Job!

* unter ‘ausklingen lassen’ kann man vieles und verschiedenes verstehen. Das kann länger oder kürzer dauern, angezogen oder mit weniger Kleidung sein. Feucht, nass oder trocken. Essen oder nicht. Trinken oder weniger. Überlassen wir das der Fantasie jedes einzelnen...

 

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